14.08.2019
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So ziemlich jede/r spürt es bereits: die Tage werden kürzer, die Kleidung wieder wetterfester – an so manchem Morgen wabert bereits der Herbst mit grauen Schwaden über den Wiesen und Feldern. Zu (Ur-)Großmutters Zeiten hieß es: Wenn die Spinnennetze Tau tragen, ist der Herbst nicht mehr aufzuhalten…

Da hilft kein Verdrängen und Wegducken - ein Blick auf den Kalender zeigt’s an: Wir marschieren schnurstracks auf den September zu; kurze Wärmeeinschübe vom Mittelmeer hin oder her! Ziehen wir noch zusätzlich die überlieferten Erfahrungsberichte in Reimform der Altvorderen hinzu, kommt zum Beispiel für Mariä Himmelfahrt folgendes raus. „Wie das Wetter am Himmelfahrtstag, so es noch zwei Wochen bleiben mag“. Eine Art Mini-Siebenschläfer-Regel also, nur begrenzt auf die nachfolgenden zwei Wochen – quasi als Witterungstendenz für den Rest des ausklingenden Sommermonats Nummer drei…

Doch schauen wir uns mal die harten Daten, Zahlen, Fakten genau an: es gibt da diesen seltsamen Index namens NAO. Er umschreibt die so genannte „Nordatlantische Oszillation“, ausgedrückt in zonal (Pluswerte für West-Ost-Strömungen und meridional für Nord-Süd-Strömungen bzw. umgekehrte Himmelsrichtungen). Seit Anfang Mai (!) haben es die Windsysteme in 5,5 Kilometern Höhe und mehr – auch Jetstreams benannt – nicht mehr geschafft, in den Plusbereich zu gelangen. Sprich: Westwetter wurde zum regelrechten Fremdwort in der europäischen Wetterküche.

Wen also wundert es, dass bei vorrangig Wind aus südlichen bis afrikanischen Regionen extrem heiße Luft mit Allzeit-Spitzenrekorden im Juni und dann nochmal in der letzten Juliwoche dabei rauskamen?! Läuft es umgekehrt – also häufig nördlichere Winde – dann ist ein massiv unterkühlter und zu nasser Monat die logische Folge; siehe Mai 2019. Im aktuellen August begann das Wettersystem Schritt für Schritt zu kippen. Also mit immer häufigeren Zugriffen atlantischer Tiefs samt feuchter und weniger warmer Meeresluft im Gepäck.

Spekulieren wir weiter: Legt man die obige Wetterregel zum 15. August zu Grunde, würde sich dieser Trend für die zweite Augusthälfte im Wesentlichen bestätigen. Und die NAO-Hochrechnungen für Zentraleuropa bestätigen: Wir nähern uns immer mehr der Null-Linie und überqueren diese Richtung Monatswechsel sogar mal wieder in den Plusbereich! Auf Deutsch: Hochsommer ist endgültig Geschichte – Spätsommer kann mal aufblitzen – ansonsten herzlichen Willkommen Frühherbst; inklusive frischen Nächten. Das Positive dabei: die Landschaften werden nochmal grüner als erhofft und im Vergleich zum Spätsommer 2018. Und das ist doch auch was…!

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Christian König · Agentur für Wetter-Klima-Umwelt (WKU) · Mobil ++49-175-2407553 · E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
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